ND-Fliter, Polarisationsfilter uvm. Wofür brauche ich das denn überhaupt?

Die perfekte Location gefunden, alles vorbereitet und bereit zum Fliegen und schon kann es losgehen. Es hört sich so einfach an und dennoch gibt es einen wichtigen Punkt der bei jeder neuen Aufnahme, ach sogar bei jedem neuen Flug zu beachten ist: Die Lichtverhältnisse. Ein zu dunkles oder zu helles Motiv kann seine Wirkung nicht entfalten und ist zudem in der Nachbearbeitung schwer wieder zu korrigieren, ohne im Bild Rausch-Effekte oder Fehler zu erzeugen. Also was kann man tun? Nutzt einen ND-Filter!

(Unser Artikel erklärt euch zwar den grundlegenden technischen Hintergrund der angegebenen Filter, jedoch versuchen wir dies eher auf den Bereich Drohnenfotografie und Drohnenflug zu beschränken)

Die so genannten Neutraldichtefilter bieten euch die Möglichkeit, zu starke Lichtquellen zu reduzieren und das Bild auf einen einheitlichen Helligkeitswert zu bringen. Der ND-Filter verringert demnach die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Bildsensor fällt und schluckt einen gewissen Prozentanteil der einfallenden Lichtmenge ohne Einfluss auf das Farbspektrum zu haben.

Durch die Lichtundurchlässigkeit der Filter werden diese genutzt um die Bildwiederholungsraten an eure normalen Werte (ideale Lichtverhältnisse) anzupassen. Dies ist nicht zwingend für jede Aufnahme nötig!  Für Aufnahmen die den typischen „Motion-Effekt“ erzeugen, wird folgende Formel beachtet: Bei 30 Bildern pro Sekunde sollte eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunde eingestellt werden (ISO-Wert ist im besten Fall immer auf 100 oder unter 200).  Diese Werte lassen sich bei bestimmten Lichtverhältnissen nur und ausschließlich mit ND-Filtern erreichen. Bei Aufnahmen die keinen Motion-Effekt erzeugen sollen, können die Belichtungswerte an die Umgebung angepasst werden ohne die besagte Formel einzuhalten.

ND-Filter sind in unterschiedlichen Stärken und Größen erhältlich. Es gibt jedoch auch variable ND Filter, bei denen man die Intensität jederzeit selbst einstellen kann, anstatt mehrere ND Filter aufeinander zu schrauben. Diese Filter werden beispielsweise für die DJI Phantom-Reihe zur Verfügung gestellt und können wesentlich schneller auf die eigenen Bedürfnisse via Drehung am Filter eingestellt werden. Bei der DJI Mavic Pro bleibt jedoch nur das Wechseln der Filter als Möglichkeit diese zu verwenden.

Anbei eine Tabelle der Auswirkung der unterschiedlichen ND-Filter (Stärke) auf die Belichtungszeit:

Tabelle für die Belichtung:

Dichte (ND) Durchlässigkeit der Lichtmenge in Prozent Verlängerungsfaktor (meist Bezeichnung auf Filtern für Drohnen) Lichtreduktion in Blendstufen
0,3 50 2 -1
0,6 25 4 -2
0,9 12,5 8 -3
1,2 6,25 16 -4
1,5 3,12 32 -5
1,8 1,56 64 -6
2 1 100 -6,66
2,4 0,4 256 -8
2,7 0,2 512 -9
3 0,1 1000 -10
4 0,012 10000 -13
6 0,001 1000000 -20

Um euch ein Gefühl für die Wirkung der Filter zu geben, listen wir euch anbei einige Beispiele auf an denen man sich später orientieren kann um schnell den richtigen Filter auszuwählen. Zu erwähnen ist hierbei, dass die von uns genutzten Filter von unterschiedlichen Herstellern stammen und daher auch unterschiedliche qualitative Eigenschaften aufweisen können. Des Weiteren beschränken wir uns auf Filter im Bereich von ND8 bis ND64 Filter da wir diese aktuell in unseren Bildern und Videos nutzen.

  • ND8-Filter der Blendstufe 3: ND8-Filter erzeugen 3 Abstufungen zum Original Bild (siehe Tabelle). Die reduzierte Lichtmenge ist mit 50% noch recht gering, weswegen wir empfehlen diese Filter an bewölkten Tagen ohne starke Licht-Einstrahlung zu verwenden. ND8-Filter sind unser täglicher Begleiter und fast dauerhaft auf der Drohne.
  • ND16-Filter der Blendstufe 4: ND16-Filter erzeugen 4 Abstufungen zum Original Bild (siehe Tabelle). Die reduzierte Lichtmenge beträgt hierbei nur noch 25% im Vergleich zu einem ND8-Filter mit 50% Lichtdurchlässigkeit. Die Filter eignen sich für durchschnittlich sonnige Tage mit Bewölkung oder leichten Wasser/Schnee Reflektionen. Für eine dauerhafte Nutzung raten wir ab, da der Filter bei bewölktem Himmel schon zu stark sein könnte.
  • ND32-Filter der Blendstufe 5: ND32-Filter erzeugen 5 Abstufungen zum Original Bild (siehe Tabelle). Die reduzierte Lichtmenge beträgt hierbei nur noch 12,5% im Vergleich zu einem ND16-Filter mit 25% Lichtdurchlässigkeit. Die Filter eignen sich in sehr hellen sonnigen Umgebungen (Strand und Meer) und schlucken sehr viel Licht. Starke Sonneneinstrahlungen und helle Reflektionen können damit reduziert werden um bieten eine gute Möglichkeit für alle Sommer- oder weiße Winter-Aufnahmen.
  • ND64-Filter der Blendstufe 6: ND64-Filter erzeugen 6 Abstufungen zum Original Bild (siehe Tabelle).  Die reduzierte Lichtmenge beträgt hierbei nur noch 6,25% im Vergleich zu einem ND32-Filter mit 12,5% Lichtdurchlässigkeit. Die Filter eignen sich nur bei sehr grellen oder hellen Umgebungen (aktive Strahler im Bild auf einer Schneepiste, direkter Flug gegen die Sonne usw.) ND64-Filter werden nur sehr selten Anwendung finden, jedoch kann es schon einmal vorkommen, dass ein ND32-Filter an seine Grenzen kommt. ND64-Filter oder sogar ND1000-Filter (0,1% Lichtdurchlässigkeit) werden primär in der Fotografie und weniger bei Video-Aufnahmen genutzt.

Natürlich gibt es noch weitere Filter, jedoch reduzieren wir hier die Aufzählung auf die gängigen Varianten. Im Netz findet ihr weitere Informationen zu Filtern der unterschiedlichen Stufen.

 

ND-Filter bieten zwar eine gute Möglichkeit das allgemeine Licht zu reduzieren, bei Reflexionen auf Oberflächen oder ähnlichen sind diese dennoch vorhanden. Aber auch hierfür gibt es eine gute Lösung: Polarisationsfilter. Diese bieten euch die Möglichkeit, gezielte Licht-Einstrahlung zu reduzieren. Hierfür wird der Filter der Richtung der Sonneneinstrahlung angepasst, bis sich das Bild verdunkelt (wie am Auto zu sehen). Dadurch reduziert sich nochmals die Licht-Einstrahlung und unschöne Reflexionen auf Oberflächen werden minimiert. Es gibt ebenfalls Kombinationen aus ND-Filtern und Polfiltern die die Vorteile beider Techniken miteinander kombinieren.

Der klare Nachteil entsteht jedoch beim Fliegen mit einer Drohne. Da sich hier der Standort des „Aufnehmenden“ und somit die Licht-Einstrahlung verändert, müsste der Filter während des Fluges nachjustiert werden (wie im Bild rechts zu sehen zu sehen). Da dies ohne eine Automatik wie in der aktuellsten DJI Phantom 4 Pro nicht möglich ist, können so nur gerichtete Aufnahmen gefilmt werden (Bspw.: ein Küstenstreifen von oben).

Neuausrichtung eines Polarisationsfilters

Fazit: ND-Filter bieten eine gute Möglichkeit seine Aufnahmen einheitlich mit dem gleichen „Motion-Effekt“ zu versehen. Gerade im Winter und im Sommer kommt es oft zu stärkerer Lichteinstrahlung, was die Nutzung solcher Filter sinnvoll macht. Wir persönlich benutzen keine Polarisationsfilter auf Grund der Handhabung beim Flug und korrigieren eventuelle Reflektionen im Nachgang mit Softwareprodukten. Die jeweiligen Filter gibt es in unterschiedlichen Preis/Güte-Klassen und sollten daher mit Bedacht ausgewählt werden. Hier zu sparen kann die Qualität der Aufnahmen zerstören oder sogar durch falsche Produktion das Gimbal oder die Linse eurer Drohne beschädigen. Wir nutzen daher aktuell Filter von Freewell und PolarPro um unsere Ziele zu erreichen. Der Preis Bereich liegt je nach Filter-Set bei 60€-120€.

Euer Team

von aussichtvonoben.de

 

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